Fünfjähriges Jubiläum

Junge Erwachsene mit Behinderung öffnen ihre Türen


Besucher am Tag der Offenen Tür wagen sich auf den Barfußpfad im Garten der Lebenswelt St. Antonius

In der Kreativwerkstatt können die BesucherInnen auch selbst zum Pinsel greifen und kleine Sonnenblumen aus Holz bemalen

Interessierte Gäste am Verkaufsstand: Die verschiedenen Produkte, darunter Kirschkernkissen, bemalte Schachteln oder Glückspilze, haben die Beschäftigten im Verlauf des vergangenen Jahres gefertigt.

Ideen sammeln, Kuchen backen und sich darauf einstellen, die eigene Wohnung herzuzeigen: Auf den Tag der Offenen Tür zum fünfjährigen Jubiläum der Lebenswelt St. Antonius haben sich die 26 jungen Erwachsenen mit Behinderung gemeinsam mit ihren BetreuerInnen gut vorbereitet. Mit viel Eifer und noch mehr Freude konnten sie am 22.Juni rund 150 Gäste empfangen, bewirten und durchs Haus führen.

„Ich habe den Kuchen gebacken”, sagt Markus Genser stolz lächelnd und betont: „mit Kirschen!” Der 28-jährige lebt in einer der drei gemischtgeschlechtlichen Wohngemeinschaften der Lebenswelt St. Antonius, die in der ehemaligen Villa Lerchbaumer eingerichtet wurden, und ist im Küchenteam beschäftigt. „Den Kuchen haben wir zusammen gemacht”, korrigiert ihn selbstbewusst eine Kollegin und Mitbewohnerin. Der junge Mann lächelt unbeirrt weiter. Er ist glücklich. Der Festtag ist „endlich da”, das Wetter „eh schön” und alle BesucherInnen „zufrieden”.

Kreativ, handwerklich und hauswirtschaftlich
Ähnlich geht es den Beschäftigten der Kreativwerkstatt, die am Tag der Offenen Tür gemeinsam mit interessierten Gästen die vorbereiteten Salzteig-Sonnen bemalen durften und nebenan bereits gefertigte Werke wie selbst genähte Kirschkernkissen oder Glückspilze aus Sektkorken verkaufen. Die Arbeitswelt der Lebenswelt St. Antonius bietet insgesamt 26 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Entsprechend ihren individuellen Interessen, Fähigkeiten und Ressourcen sind sie in der Küche, Gärtnerei, Kreativwerkstatt, oder in der Kunstwerkstatt im handwerklichen Bereich beschäftigt. Die Arbeitswelt steht vorrangig den 17 Bewohnerinnen zur Verfügung, neun weitere Beschäftigte kommen von auswärts. Die Produkte werden auf den Oster- und Weihnachtsbazaren im Haus oder auch in der Stadt verkauft.

In Italien, in der Stadt und im Raum der Sinne
„Tägliches Ziel in der Lebenswelt St. Antonius ist es, die jungen Menschen so zu betreuen, dass sie möglichst normal, das heißt weitgehend selbstbestimmt leben können”, sagt Hausleiterin Bernadette Peitler, „dazu gehört neben dem Alltag auch die Freizeitgestaltung.” Highlights sind die regelmäßigen Ausflüge in die Stadt zum Shoppen oder zum Friseur, die jährliche Performance mit der Band Jemm Music Project, die Kurzurlaube, zum Beispiel in Norditalien am Strand, im Gästehaus St. Anna in Stadl Paura (einer Einrichtung der Stiftung Liebenau Österreich) oder auf dem jährlichen Fußballcamp, das von der Dolomitenbank gesponsert wird. Sehr beliebt ist auch der vor zwei Monaten neu eröffnete Snoezelen-Raum im Erdgeschoß der Lebenswelt St. Antonius. Hier kann man entspannen und die Sinne beim Hören, Riechen, Tasten und Schmecken stimulieren. Am Tag der Offenen Tür zeigt die angehende Fachsozialbetreuerin für Behindertenbegleitung Nina Ebner - sie schreibt derzeit ihre Facharbeit über das Snoezelen - interessierten Gästen verschiedene Anwendungen und Anregungen.

Die Gäste dürfen teilhaben
Auch im Freien kann man die Sinne stimulieren: Dort testen einzelne BesucherInnen den Barfußpfad zwischen den Bäumen. Soeben haben sie sich von Margit Ropatsch, Pädagogische Leiterin im Haus, durch die in verschiedenen Stilen eingerichteten Wohnungen führen lassen, sind beeindruckt von der Größe der Räume und dem Inventar, das zum Teil von den jeweiligen Wohnungspatinnen gestiftet wurde. Zurück am Ausgangspunkt laden gegrillte Würstchen und selbstgemachte Sonnenweckerln sowie Kartoffelsalat zum Verweilen und zum Austausch ein. Auf einer bespannten Leinwand kann sich jeder mit seiner individuellen Sonnenblume in Acryl verewigen, ins Gästebuch schreiben, oder sich durch die reichhaltigen Informationen zur Lebenswelt St. Antonius und der Stiftung Liebenau blättern.

(Autorin: Elke Benicke)